Hauptschule, Edemissen Unsere Schüler haben gute Chancen

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Mühlenbergschule

-Hauptschule-

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Archiv

Peiner Allgemeine Zeitung vom 24.03.2007

„Unsere Schüler haben gute Chancen“

Jeden Sonnabend stellt die PAZ die „Schule der Woche“ vor. Heute: Die Hauptschule Edemissen, die mit der benachbarten Realschule gemeinsame Sache(n) macht.

Von Tobias Fricke

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Volle Aula in Edemissen: Die 253 Schüler der Hauptschule werden von 24 Lehrern unterrichtet. Foto: Christian Bierwagen

Es ist gar nicht so einfach, Haupt- und Realschule Edemissen auseinanderzuhalten: die Klassenräume und damit auch der Unterricht sind zwar streng getrennt, den Namen „Mühlenbergschule“ tragen jedoch beide Lehreinrichtungen, nur jeweils mit nachgestellter Schulbezeichnung. So heißt die Hauptschule offiziell „Mühlenbergschule - Hauptschule“. Gänzlich aufgelöst ist die Trennung im Nachmittagsangebot. In mehr als 60 Arbeitsgemeinschaften tummeln sich Schüler beider Schultypen.

Dennoch legt die Hauptschule natürlich andere Schwerpunkte. „Die Stärkung des Selbstbewusstseins und der Persönlichkeit sind für uns ein Hauptanliegen“, erläutert Rektor Peter Köhler die Unterschiede, betont aber auch die gemeinsame Sache: „Die Kooperation mit der Realschule ist schon eine Besonderheit.“ Letztendlich gehe es darum, für die Jugendlichen Chancen zu schaffen. So ist das Nachmittagsangebot als Ergänzung zum regulären Unterricht unabdingbar. „Man kann heute nicht mehr nur nach Plan arbeiten“, erklärt Köhler das Konzept, „die Jugendlichen sollen Lust darauf bekommen, sich zu spezialisieren.“ Ob nun als Musiker in den Bläser- und Chorklassen, als Sanitäter, als Sportler oder Schauspieler – die Schüler können und wollen sich ausprobieren. Deshalb sind auch zwei Schulpraktika obligatorisch.

Karen Wiborg ist von dieser Ausrichtung überzeugt. Sie spricht aus eigener Erfahrung. Mit Tochter Lena ist bereits ihr zweites Kind an der Hauptschule – ihr Sohn machte bereits vor acht Jahren erfolgreich seinen Abschluss: „Viele hatten mir abgeraten, meine Kinder hierher zu schicken“, erzählt Wiborg von ihren Erlebnissen. „Ich habe immer geantwortet: Gerade weil ich an ihre Zukunft denke, mache ich das.“ Seit dem vergangenen Jahr ist die Edemissenerin auch Vorsitzende des Förderkreises der Hauptschule. „Mit unseren finanziellen Möglichkeiten wird eine schnelle Reaktionsfähigkeit der Schule bewahrt.“ Langwierige Anträge für Gelder über den offiziellen Weg werden so umgangen. „So können wir auch kurzfristig bei einem Sonderangebot zuschlagen“, freut sich Rektor Köhler. Potenzial sieht er aber noch beim Direkt-Sponsoring, um so zum Beispiel benutzte Möbel zu ergattern.

In vielerlei Hinsicht nimmt die Hauptschule Edemissen eine Vorreiterrolle ein. Konfliktlotsen gibt es schon seit elf Jahren. Bei der Einführung des Ganztagsbetriebes war die Lehreinrichtung unter den ersten drei im Landkreis. Mit einem Trainingsraum und einer Schulwerkstatt kann seit dem vergangenen Jahr auch schwierigen Charakteren geholfen werden. Bald soll nun auch der geplante Mensausbau verwirklicht werden. Für die Zukunft wünscht sich Wiborg deshalb vor allem eins – einen besseren Ruf für die Hauptschule: „Aber dieses Klischee werden wir wohl nie weg bekommen – leider.“

Die Buslotsin

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Helga Fiebig. Foto: Tobias Fricke

„Hey, ganz schnell wieder hinstellen.“ Das sind klare Worte von Helga Fiebig zu einer Gruppe herumtollender Grundschüler. Die „Buslotsin“ hat die wartenden Kinder- und Jugendlichen an der Bushaltestelle des Schulzentrums Edemissen im Griff – auch dank ihrer Helfer. 50 Schüler der Haupt-, Real- und Förderschule greifen der 49-Jährigen bei ihrem Einsatz unter die Arme. Jeden Mittag um 11.30, 12.30 und 13.20 Uhr sind die Buslotsen im Dienst, auf einigen Strecken auch schon am Morgen. Zurück geht das Engagement der Mödesserin auf die Schulzeit ihrer eigenen Kinder an der Grundschule Edemissen. „Wenn die Schulen zur gleichen Zeit Schluss hatten, gab es hier chaotische Zustände. Kam der Bus um die Ecke gefahren, rannten die Kinder dem Fahrzeug entgegen“, erläutert Fiebig die damaligen Probleme. „Die Fahrer weigerten sich schon, Edemissen weiter anzufahren.“ Diese Szenen sind zum Glück Geschichte. Seit mehr als zehn Jahren sind die Buslotsen nun im Einsatz und sorgen für Sicherheit auf dem Schulweg. Seit acht Jahren arbeiten auch Schüler mit. Dass sie selbst mittlerweile die einzige „Elternkraft“ ist, stört sie nicht – im Gegenteil: „Ich bin eben der Überrest aus 13 Jahren Buslotsendienst, aber ich habe ja meine Schülerhelfer.“

Ihr „Kollege“, der 16-jährige Stederdorfer Sören Fuchs ist seit zwei Jahren als Buslotse im Einsatz. „Unser Einsatz lohnt sich auch auf dem Zeugnis, das soziale Engagement wird positiv vermerkt.“ Das bestätigt auch die „Chefin“: „Als die ersten Abgänger der Schulen sich bei Ausbildungsbetrieben vorstellten, haben diese weniger auf die Noten geschaut, sondern wollten genau wissen, was überhaupt Buslotsen sind“, betont Helga Fiebig.

Die Fachleute für Soziales: Zuhörer, Berater, Helfer

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Michael Riefe, Dorothee Feldmann und Björn Weiß.

Dorothee Feldmann ist eine von zwei Schulpädagogen an der Hauptschule Edemissen. Die Hänigserin ist seit fünf Jahren für die Lehreinrichtung im Einsatz. Sie konzentriert sich vor allem auf die Beratung von Schülern, aber auch von Lehrern und Eltern. „Die Schüler haben Vertrauen zu mir“, freut sich Feldmann, die mittlerweile in Hannover lebt. „Wir reden über häusliche und schulische Probleme, aber auch über Konflikte der Schüler untereinander.“ Dabei arbeite sie als Bindeglied. „Ich vermittele bei Problemen an die passenden Beratungsstellen weiter.“ Im Schulalltag kümmert sich die Sozialpädagogin auch um Störenfriede, die aus den Klassen zu ihr in den Trainingsraum geschickt werden. Hier müssen sie sich intensiv mit ihrem Verhalten auseinander setzen. Dorothee Feldmann freut sich über die langfristige Zusammenarbeit mit der Schule, denn ihre Maxime lautet: „Sozialarbeit braucht Zeit.“

Ihr Kollege Michael Riefe ist auf den Bereich der Berufsvorbereitung spezialisiert. Für Schüler bietet er Bewerbungstraining an: Anschreiben formulieren, Lebenslauf zusammenstellen, Vorstellungsgespräche üben. „Wir arbeiten auch mit Medien und simulieren Einstellungstests“, erzählt Riefe. Einfach ist diese Arbeit nicht: „Es gibt auch schwierige Charaktere, die sich gar keine Gedanken um ihren Berufsweg machen.“ Der 49-jährige Sozialpädagoge ist seit 2004 an der Hauptschule – allerdings nicht zum ersten Mal. Bereits von 1997 bis 1999 war er hier an der Ausgestaltung des Freizeitbereiches beteiligt. Björn Weiß ergänzt das Team: der 62-jährige Lehrer betreut Schüler, die wiederholt auffällig im Unterricht geworden sind. Nach fünfmaligem Aufenthalt im Trainingsraum müssen sich die „Übeltäter“ bei praktischen Arbeiten bewähren. Drei Wochen lang werden sie aus dem regulären Schulablauf isoliert, sie arbeiten mit Holz, säubern das Schulgelände oder gärtnern in einem extra eingerichteten Areal samt Bauwagen. „Den anderen Schülern wird so ein störungsfreier Unterricht ermöglicht“, unterstreicht Weiß. Verpasster Schulstoff und Klassenarbeiten müssen nachgeholt werden. Der Abbensener hat gute Erfahrungen gesammelt: „Die Hauptschule ist eine Schule, die motivieren muss – und mit diesem Konzept funktioniert es auch.“

Die „Schlemmer“-Firma

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Thore Westendorf, Frederik Krüger, Kevin Raupach.

Kevin Raupach, Frederik Krüger und Thore Westendorf stehen in den Hauswirtschaftsräumen der Hauptschule Edemissen. Die drei Neuntklässler stecken mitten in einer ihrer Tagesaufgaben: die dreckigen Teller vom Mittagessen müssen abgewaschen werden. „Wir sind eine Gruppe von Küchenhelfern“, erzählt Kevin Raupach. „Aber Abwaschen ist nicht unsere einzige Aufgabe“, ergänzt Frederik Krüger. Die drei 16-Jährigen und weitere acht Schüler beteiligen sich an der Schülerfirma der Hauptschule – jeden Tag ist ein Dreier-Team im Einsatz. Sie helfen bei der Organisation der Mittagessenausgabe, halten Aufsicht über den Essensbetrieb und kümmern sich um die wirtschaftliche Auswertung. „Wir erfassen den Wareneinkauf und machen die Abrechnung für die verkauften Essen“, erklärt Krüger. Die Schüler arbeiten dafür mit dem Tabellen- und Kalkulationsprogramm Excel.

„Seit eineinhalb Jahren läuft das Projekt“, erläutert Lehrerin Nina Dittrich, die die Arbeitsgemeinschaft betreut. „Es ist auch eine Vorbereitung auf das, was die Schüler in der Berufsschule erwartet.“ Die 30-Jährige freut sich über das freiwillige Engagement der Hauptschüler: „Die Nachfrage ist groß und die Jugendlichen sind mit Freude dabei.“ Die Praxisübung kann ab der achten Klasse belegt werden und wird belohnt: „Wir bekommen einen Eintrag auf unseren Zeugnissen“, erzählt Kevin Raupach. Nicht nur deswegen sind die Schüler motiviert und mit Begeisterung dabei. „Natürlich macht es auch Spaß – sonst würden wir ja nicht mitmachen“, betont Thore Westendorf.

Die Sanitäter

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Alyssa Meyer, Laura Schurm, Kerstin Hohl und Frederik Probst.

„Hallo, hallo. Kannst Du mich hören?“ Frederik Probst versucht Kontakt mit seiner Mitschülerin Laura Schurm aufzunehmen. Offenbar bewusstlos liegt sie auf dem Boden eines Klassenraums. Zum Glück ist das Ganze nur eine Übung. Doch ob nun zur Probe oder im Einsatz – Schulsanitäter müssen das richtige Verhalten im Notfall kennen. Zwei Schülergruppen mit insgesamt 25 Jugendlichen von Haupt- und Realschule haben die Erstversorgung Verletzter erlernt. Lehrerin Liliya Polozova ist für die Organisation der Arbeitsgemeinschaft zuständig: „Seit drei Jahren bieten wir diese AG an. Zu Beginn durchlaufen die Kinder einen zweitägigen Kursus, in insgesamt acht Doppelstunden üben sie die Grundlagen der Ersten Hilfe.“ Nach der theoretischen und praktischen Ausbildung beginnt die Arbeit der Schüler. An jedem Schultag sind zwei Sanitäter im Dienst, über Funksprechgeräte können sie sogar während des Unterrichts erreicht werden. Für Behandlungen steht ein Sanitätsraum zur Verfügung. Regelmäßig besucht Kerstin Hohl vom Deutschen Roten Kreuz Peine die Gruppe. Sie leitet die Mitlgieder der Arbeitsgemeinschaft an und gibt Hilfestellung, wenn etwas hakt. Die Schüler haben die Aufgabe erfolgreich abgeschlossen. Das „Opfer“ liegt jetzt in stabiler Seitenlage. „So und das Ganze jetzt noch einmal“, bittet Hohl. Schließlich gilt auch bei Erster Hilfe: Übung macht den Meister.

Schulorchester least Instrumente

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Foto: Tobias Fricke.

Mit geleasten Musikinstrumenten üben die Bläserklassen der Haupt- und Realschule Edemissen für ein großes Ziel: in naher Zukunft soll ein gemeinsames Orchester an den Mühlenbergschulen entstehen. Schon seit mehr als zwei Jahren arbeiten Malte Bunk, Christian-Philipp Weitling, Timo Hiller, Sarah Halfpape, und Sina Isabel Freund mit ihrem Musiklehrer Naum Ingorin am musikalischen Zusammenspiel.

UMFRAGE: WAS GEFÄLLT DEN SCHÜLERINNEN UND SCHÜLERN AN IHRER SCHULE UND WAS NICHT?

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Franziska Kükelhahn, 12, 7. Klasse

„Die Nachmittagsangebote sind toll. Gut ist auch das Mittagessen. Besonders gefällt mir der Matheunterricht, weil wir auch mit dem Computer arbeiten.“

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Waldemar Schönfeld, 11, 5. Klasse

„Mathe ist mein Lieblingsfach und die Schwimm-AG ist super. In den Pausen spiele ich gerne Fußball. Später will ich Polizist werden.“

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Jenny Krödel, 16, 10. Klasse

„Unterricht und Freizeitangebote sind gut an unserer Schule. Mich stört hier, dass wir Hauptschüler nicht in die Realschule gehen dürfen, aber sie zu uns.“

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Andreas Riethmüller, 15, 8. Klasse

„Mir gefällt hier fast alles, vor allem der Sportunterricht. Ich mag zwar das frühe Aufstehen nicht, aber ansonsten ist unsere Schule wirklich okay.“

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Kimberley Matuschak, 12, 5. Klasse

„Ich singe und tanze gern, deswegen mache ich bei der Musical-AG mit. An der Schule habe ich viele Freunde, Mathe und Kunst sind meine Lieblingsfächer.“

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Katja Wolf, 13, 7. Klasse

“Die Lehrer sprechen mit uns locker und unsere Klassengemeinschaft hält gut zusammen. Aber zwischen Haupt- und Realschülern gibt es auch Konkurrenz.“